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Der Binger Fluch – ein Schachnachmittag zwischen Hoffnung und Zittern

Wer in Bingen Schach spielt, spielt nie nur Schach. Er spielt auch gegen Erinnerungen, gegen leise Zweifel – und gegen einen hartnäckigen Fluch. Hinzu kam diesmal noch eine weitere Herausforderung: Bingen ging als Tabellenführer der 2. Rheinhessenliga in die Begegnung und hatte bislang eine beeindruckend konstante Saison gespielt.
Die Vorzeichen waren also klar – und das Déjà-vu allgegenwärtig. In der letzten Saison führten wir in Bingen bereits einmal mit 3,5 : 0,5 und verloren am Ende dennoch alle übrigen Partien. Die bange Frage stand im Raum: Sollte uns der Binger Fluch erneut treffen?

Man munkelt ja, dass irgendwo zwischen Rhein, Brett und Uhr noch immer Hildegard von Bingen ihre Finger im Spiel hat – im geheimen Wettstreit mit Caissa, beim Mischen zweifelhafter Tränke des Schachschicksals.

Der Auftakt verlief zunächst gut. Matthias bot Uwe Hinrichs ein solides Remis an, das dieser annahm – der erste halbe Punkt für Heimersheim.
Kurz darauf zeigte Ralph an Brett 7 echte Schachbären-Qualitäten: Nach einem Bauernverlust blieb er ruhig, kämpfte sich nervenstark zurück und drehte die Partie vollständig zu unseren Gunsten. 1,5 : 0,5 aus Sicht von Heimersheim.

An Brett 1 folgte dann eine Partie, die man nicht alle Tage sieht. Helge tauschte seine Dame gegen zwei Leichtfiguren und einen Turm – von einem Opfer kann man kaum sprechen. Vielmehr entstand eine hochgradig druckvolle Stellung, in der seinem Gegner ständig „Furchtbares“ drohte. Der hohe Zeitverbrauch auf der Gegenseite war die logische Folge, und die Partie ließ sich am Ende nicht mehr halten. 2,5 : 0,5.

Auch unser Youngster Noah an Brett 8 ließ sich nicht beirren. Kühl, konzentriert und scheinbar ohne jede Nervosität spielte er seine Mehrbauern nach Hause. Selbst als die Uhr zwischenzeitlich mahnte, blieb er gelassen und fragte lediglich unseren Mannschaftsführer Ralph, was eigentlich nach der Zeitkontrolle bei 40 Zügen passiert. Eine starke und sehr reife Leistung als Ersatzmann. 3,5 : 0,5 – und genau hier begann das große Zittern.

Denn noch liefen drei Partien.

Carsten hatte ein ausgeglichenes Mittelspiel erreicht, optisch sogar mit aktivem Spiel. Im Endspiel geriet er jedoch in Zugzwang. Zwei schwarze Läufer trafen auf Bauern auf schwarzen Feldern, während sein Gegner konsequent seine Bauern auf Weiß gestellt hatte. Eine klare Strategie, die am Ende den Ausschlag gab. 3,5 : 1,5.

Bei Jochen Thorn sah es aus Sicht der Kiebitze lange nach einem sicheren Punkt für Heimersheim aus. Seine Stellung wirkte überlegen, fast schon entschieden. Doch das Schach kennt keine Gnade: Sein Gegner schaffte es, zwei Freibauern zu bilden, die Jochen nicht mehr aufhalten konnte. 3,5 : 2,5 – der Fluch meldete sich zurück.

Auch Klaus-Peter geriet früh unter Druck. Sein Gegner opferte eine Figur für starken Angriff und Initiative. Zunächst sah es so aus, als könne Klaus-Peter dem Druck nicht standhalten, dann befreite er sich Schritt für Schritt – übersah am Ende jedoch einen entscheidenden Läuferzug. Die Partie ging verloren. 3,5 : 3,5.
Spätestens jetzt wurden leise Gebete gesprochen – an Caissa, an Hildegard, und sonstige, die ich hier nicht alle namentlich erwähnen kann.

Die letzte laufende Partie lieferte Siyar. Ein Drama. Aktive Stellung, auch für den laienhaften Blick klar besser. Dann der Bruch: Qualitätsverlust, die Stellung kippte, plötzlich sprach vieles für den Gegner. Nerven lagen blank – bei Spielern wie Zuschauern.
Und dann geschah das Unerwartete: Siyar bot Remis an. Sein Gegner, sichtbar ebenfalls von der Partie gezeichnet, nahm an.
Ein Wunder – und der Binger Fluch wurde endlich abgewendet.

Am Ende konnten beide Mannschaften mit dem Ergebnis leben. Der Binger Mannschaftsführer Adrian sagte nach dem Spiel, man könne froh über das Unentschieden sein. Wir waren es ebenfalls – vor allem, weil wir gegen den Tabellenführer nicht eingebrochen sind. Wir haben gekämpft, wie Schachbären eben kämpfen, auch wenn es zwischendurch kurz nach Schachmäuschen aussah.

Ein ausdrückliches Dankeschön geht an die Gastgeber für ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft: Kaffee, Tee, Getränke, Waffeln (für alle, die wollten) – und ja, Plätzchen gab es auch noch. Sollte es wieder zu einer Begegnung in Heimersheim kommen, werden wir uns revanchieren.

Und ausnahmsweise das Ergebnis am Ende, damit die Schachbären den Beitrag auch zu Ende lesen.

  • Bingen I – Sfr. Heimersheim I 4 : 4 | 11.01.2026 | 2. Rheinhessenliga | Runde 6

Aber jetzt steht fest: Der Binger Fluch ist Geschichte.
Und manchmal fühlt sich ein Unentschieden gegen den Tabellenführer eben wie ein kleiner Sieg an. 🐻♟️

 

Ergebnisse Nachtrag vom letzten Jahr

  • Sfr. Heimersheim I – Bad Kreuznach 3 I 3,5 : 4,5 | 14.12.2025 | 2. Rheinhessenliga | Runde 5

Nachtrag: Zum Heimspiel gegen Bad Kreuznach erschien kein Bericht – der Frust über die knappe Niederlage und die deutlichen Verluste an den hinteren Brettern saß zu tief.

Ausblick & Termine

Nach diesem intensiven Schachnachmittag geht es für die Schachbären direkt weiter – und die nächsten Herausforderungen stehen bereits vor der Tür:

  • 18.01.2026 – 1. Verbandsliga
    Sfr. Mainz 1928 IV – Sfr. Heimersheim II

  • 25.01.2026 – 2. Rheinhessenliga
    Sfr. Heimersheim I – SK Gau-Algesheim II

Auch in der Seniorenliga wird bereits am kommenden Freitag wieder gespielt. Nähere Informationen dazu folgen in Kürze.

Unabhängig vom Ligabetrieb gilt wie immer:
👉 Unser Spielabend findet jeden Freitag statt.
Gäste, Interessierte und Neugierige sind jederzeit herzlich willkommen – egal ob Schachbär, Schachmäuschen oder noch auf dem Weg dorthin.

Zum Schluss bleibt nur zu sagen:
Danke an alle Spieler, Fahrer, Kiebitze und Unterstützer. Wir halten zusammen, wir kämpfen – und manchmal besiegen wir sogar alte Flüche.

Schachliche Grüße
Eure Schachbären
🐻♟️

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